Für 20 Monate, von Mai 2015 bis Dezember 2016, habe ich auf ca. 20m2 in einem Container gewohnt, während nebenan ein Haus gewachsen ist. Vor ca. 2 Monaten bin ich umgezogen. Von 20m2 auf ca. 120m2

Das Thema modulares Wohnen und Tiny House war zuletzt vermehrt in diversen Medien vertreten. Freunde aus Kanada haben mir erzählt, dass es Übersee sogar eine TV Show dazu gibt.

Ich möchte hier meine Erfahrungen über das Leben in einem „Tiny House“ wiedergeben.

Vom Aufbau her handelt es sich um einen Standard Schiffscontainer – Außenmaße Länge x Breite x Höhe ca. 9 x 2,4 x 2,6 Meter. Eine Tür und zwei Fenster an der Seite, deren Positionen frei wählbar waren. Die Wände sind 10cm dick somit für die Innenmaße jeweils 20cm abziehen. Die Seitenwände sind mit Isolierwolle gefüllt, die Decke mit Isolierschaum, der Boden eine in Beton gegossene Sperrholzplatte.

Enthalten ist eine Nasszelle mit knapp 3,8m2, Dusche, WC, Waschbecken, Warmwasserboiler mit 80 Litern, darunter Platz für die Waschmaschine und im Wohnbereich ein Küchenblock mit Waschbecken, Kühlschrank und zwei Herdplatten.

Es handelt sich eigentlich um einen dieser Bürocontainer, in den z.B. Angestellte temporär ziehen, während ein Firmengebäude umgebaut wird oder aus denen Kindergärten gebaut werden und aktuell Flüchtlingsunterkünfte.

Da es nur als vorübergehende Unterkunft gedacht war, habe ich natürlich auch nicht allzu viel investiert. Möbel hatte ich schon.

Zugegeben, die Ausstattung ist etwas spartanisch und einfach, aber für die Kosten von etwas unter 12.000 EUR + ca. 2.500 EUR für Betonfundamente, Kanal und Wasseranschluss, ausreichend.

Zum Vergleich: auf einer Baumesse, die ich besucht habe, war ein Wohncontainer einer Firma ausgestellt, die sich auf diese Art des Wohnens spezialisiert hat. Bei 25m2 lag der Preis zw. 55.000 und 60.000 EUR. Alles optimal eingerichtet. Darin hätte es sich sicher komfortabler gewohnt, aber da ist man beim Quadratmeterpreis ungefähr auch schon bei dem eines Einfamilienhauses.

 

Nun denn, nach den Fakten meine Erfahrungen.

Vorweg, es handelt sich um meine persönliche Meinung und mein persönliches Empfinden. Wir haben alle ein subjektives Empfinden, wie viel Platz, Komfort und materielle Dinge benötigt werden. Dem/Der einen reicht die Hängematte, der/die andere braucht ein goldenes Bett. Bei mir kann das Zwischendurch auch mal die Hängematte sein, wie weiter unten noch zu lesen ist.

Wahrscheinlich die wichtigste Frage: Kann man auf 20m2 leben? Ja, natürlich, kann man. Habe ja auch lange genug getan. Aber nach 1 3/4 Jahren bin ich froh, dass ich wieder raus bin.

Ich habe alleine im Container gewohnt und kann mir kaum vorstellen, dass es zu zweit (oder mehr) über diesen Zeitrahmen funktioniert hätte, auf diesem Platzangebot zu leben.

Man wäre sich ständig im Weg, des Weiteren besteht keine Möglichkeit sich zurück zu ziehen. Womit ich gleich zur Einrichtung überleiten möchte.

Damit ein Maximum an Bewegungsfreiheit gewonnen wird, ist es notwendig die Einrichtung optimal zu gestalten, da muss der Tischler ran. Mit Möbeln von der Stange funktioniert das nicht. Ich habe ein paar meiner bestehenden Möbel genommen und reingestopft. Wodurch das Platzangebot nicht optimal genutzt wurde.

Ich habe gewiss nicht viel Kleidung und auch nur das notwendigste an Geschirr und andere Dinge des täglichen Bedarfs mitgebracht.

Meine Ausstattung bestand aus einem Bett 140x200cm, einem Standardkleiderschrank 135x200x55cm, einen Schrank für Küchenutensilien Schuhe und Haushaltsdinge 80x200x40cm, zwei kleine Schränke für Haushalts und Bürosachen und einem Schreibtisch.

Da ich im EDV Bereich tätig bin, habe ich ein etwas umfangreicheres EDV Equipment. Deshalb hat dieser Bereich etwas mehr Platz eingenommen.

Soweit es ging habe ich noch mit selbst zusammengeschusterten Regalen versucht nach oben zu verlagern.

Einen kleinen Esstisch 75x75cm (und zwei Stühle) hatte ich zwar auch, dieser war aber immer vom Wäscheständer belegt. Mahlzeiten habe ich deshalb vorwiegend auf dem Schreibtisch eingenommen.

Platz für einen gemütlichen Hocker oder gar eine Couch war nicht mehr vorhanden.

Gäste, für ein gemütliches beisammen sitzen, habe ich nicht eingeladen. Erstens des Platzmangels wegen und zweitens lässt die spartanische Einrichtung nicht so wirklich Stimmung aufkommen.

Mangels eines gemütlichen Sofas oder Sessels habe ich in der Zeit im Container wenig gelesen, weil ich entweder im Bett lag oder am Schreibtisch gesessen bin. Bett indiziert man vorwiegend mit Schlafen und den Schreibtisch mit Arbeit.

Ein Hobby, das Platz in Anspruch nimmt, ist kaum vorstellbar.

 

Für Wärme im Winter waren zwei Elektroheizungen zuständig. Eine im Wohntrakt und eine in der Nasszelle. Im Badezimmer gibt es außerdem noch ein Rohr mit Ventilator nach außen, was bei nur 10cm Wandstärke zu einem zusätzlichen Wärmeverlust geführt hat.

Für eine ganzjährige Nutzung über einen langen Zeitraum hinweg ist der Container in dieser Form sicher nicht zu empfehlen. Dafür ist er zu schlecht isoliert. Im Sommer zu heiß, im Winter zu hohe Heizkosten.

Im Sommer geht es noch, da waren immer die Fenster offen und auch die Eingangstür. Und man kann in den Garten raus. Wobei, im Sommer 2015 gab es eine Hitzewelle in meiner Region, in der die Temperatur über 5 Wochen hinweg durchgehend bei über 30 Grad C lag. Ich habe mehrere Tage draußen in der Hängematte geschlafen, weil es drinnen nachts zu heiß war.

Das Klopfen von Regen hat sich auf dem Dach ziemlich laut bemerkbar gemacht. Da musste ich auch bei leichtem Nieselregen zuerst aus dem Fenster sehen, ob tatsächlich einen Regenschirm benötigt wird.

Und als das erste Mal Nachbars Katze nachts auf das Dach gesprungen ist, bin ich vor Schreck beinahe aus dem Bett gefallen.

Die kalte Jahreszeit ist ein riesiges Problem.

Im Winter kommt vor allem vom Boden die Kälte, da die Unterseite noch wesentlich schlechter isoliert ist als die Wände. Außerdem ist man im Winter eingesperrt. Das kann zeitweise etwas aufs Gemüt schlagen. Ich wage gar nicht daran zu denken, was das für Gefangene bedeuten muss, über Jahre hinweg in einer Zelle eingesperrt zu sein.

Winter 2016 war nicht wirklich kalt. Trotzdem hatte ich für 20m2 ca. 3.000kWh rein an Heizkosten. Das entspricht einem 2-3 Personen Haushalt für ein Haus.

Dadurch, dass alles irgendwie voll gerammelt ist, ist eine Luftzirkulation nicht in alle Ecken gewährleistet. Bei kaltem Wetter gab es deshalb Kondenswasser Bildung.

Im Badezimmer war es vorwiegend das Fenster, das beschlagen hat. Bei kaltem Wetter habe ich nach dem Duschen immer Ventilator und die Heizung für eine Stunde laufen lassen müssen um das Badezimmer auszutrocknen. Die Problemecke und das Fenster musste trotzdem immer abgewischt werden.

Im Wohnbereich, habe ich die Möbel etwa 5cm von der Wand gerückt. Das hat gereicht, um hier Kondenswasser und in Folge Schimmelbildung zu vermeiden.

Eine große Problemzone war unter dem Bett. Die Stelle war schwer zugänglich, weil das Bett die ganze Breite eingenommen hat und z.T. auch noch von Kasten und Schreibtisch eingenommen war.

Das war dann etwas mühsam – alle zwei-drei Wochen die Matratze und den Lattenrost raus zu nehmen, um darunter sauber machen.

Wäsche waschen und das nachherige Trocknen hat zu erhöhter Luftfeuchtigkeit im Wohnbereich geführt.

Die Eingangstür war natürlich auch eine Kältebrücke. Dort hat sich immer Kondenswasser gesammelt. Einmal ist mir im Winter bei Temperaturen unter 0C sogar die Tür zugefroren und ich musste sie mit leichter Gewaltanwendung aufstoßen.

 

Da ich quasi auf einer Baustelle gewohnt habe, war es im Prinzip immer etwas schmutzig. Einen Vorraum, wo man seine dreckigen Schuhe auszieht, gibt es nicht.

Im Container hat es immer ein Durcheinander gegeben, weil alles übereinander gelegen ist. Ich bin sogar der Meinung, dass das Haus einfacher zu pflegen ist, als der Container, weil alle Sachen in Kästen verstaut sind. Ich habe hier aber beim Einrichten schon sehr darauf Acht gegeben, dass die Pflege einfach ist – wenig offene Regale und wenig „unnötige Staubfänger“, die rumstehen.

 

Neben diversen nicht optimalen Aspekten gibt es aber auch einige positive Erkenntnisse.

Wenn wenig Platz verfügbar ist häuft man auch keinen unnötigen Mist an.  Das will ich, und werde ich hoffentlich, auch in Zukunft weiter so halten.

Über die letzten Jahre war mein Zeug im Keller meiner Eltern gelagert. Beim Umzug habe ich schon mal viele Dinge, die sich so im Laufe der Zeit angesammelt haben, aussortiert, verkauft, verschenkt oder weggeschmissen.

Ich mache sicher noch einen zweiten Durchlauf, um noch mehr Kram loszuwerden, von dem ich mich so auf die Schnelle, meist aus emotionalen Gründen, noch nicht trennen konnte.

Meine ganze Kleidung passt in einen Schrank mit 1m Breite, 2.4m Höhe und 60cm Tiefe. Selbst da ist noch Platz.

Auch hier versuche ich noch etwas zu reduzieren, indem ich z.B. die zu viel vorhanden Socken oder T-Shirts und Handtücher verbrauche, bis ein notwendiges Maß erreicht ist.

Das gleiche gilt für Gläser, Geschirr und diverse andere Sachen des täglichen Gebrauchs.

 

Das Konzept der modularen Bauweise finde ich äußerst attraktiv. Ich denke aber, dass, wenn man tatsächlich modular bauen möchte Platz benötigt.

Mit modular meine ich, dass eine Wohneinheit / Arbeitseinheit / Zimmer / .. relativ rasch hinzugefügt und bei Bedarf auch wieder schnell und kostengünstig entfernt werden kann, ohne andere Einheiten in ihrer bestehenden Eigenschaft anzutasten.

Mein Grundstück ist relativ eng und hat, auch auf Grund der österreichischen Bauvorschriften, wenig kreativen Spielraum gelassen. Sonst wäre ich diesem Konzept sehr offen gegenüber gestanden.

 

Zusammenfassend gesagt, es war eine interessante Erfahrung auf engem Raum zu leben, ich genieße jetzt jedoch wieder das großzügige Platzangebot.