Segeltrip nach Kuba, Dez. 2009

Foto Album … von allen Crew Mitgliedern

Havanna und anderes

Wir kommen spät in Havanna an. Nachdem wir unser Gepäck in unserer Unterkunft deponiert haben gehen wir noch zu Abend essen. Da es schon spät ist bereitet sich das Restaurant auf das Schließen vor. Wir werden trotzdem noch bedient. Mir scheint, als wolle das Restaurant den Eindruck vermitteln, dass es sich um ein Lokal der gehobeneren Klasse handelt. Es laufen viele Kellner in schwarz/weißer Kleidung mit Mascherl rum. „Lieb“ wäre der richtige Ausdruck, wie sie durchs Lokal schusseln. Wir bestellen eine Flasche Wein, welche uns professionell dargeboten wird. Nur beim Öffnen gab es dann ein wenig Schwierigkeiten. Nach einigen Ansätzen mit dem Flaschenöffner hat sich dann doch rausgestellt, dass die Flasche einen Drehverschluss hat.

Am nächsten Tag machen wir vor dem Frühstück einen kleinen Rundgang durch die Gegend in der wir wohnen. Was ich sehe überfordert mich ein wenig. Ein großer Teil der Häuser ist in einem schlimmen Zustand. Viele sind verfallen oder in einem Zustand, dass man meinen könnte, sie stürzen in Kürze ein. Ganz anders sieht die Situation in den touristischen Teilen aus. Hier ist alles in einem ausgezeichneten Zustand.

Ich bekomme den Eindruck, dass der allgemeine Zustand niemanden kümmert. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das meiste dem Staat gehört. Woher soll auch die Motivation kommen die Situation zu verbessern, wenn man wenig Eigentum besitzt. Aber diese Probleme sind auch von anderen sozialistischen/kommunistischen Ländern bekannt.

Wie auch in anderen Ländern, wo es um die wirtschaftliche Lage der Einwohner nicht ums beste bestellt ist, werden wir auch hier an allen Ecken und Enden angesprochen.

Es gibt vier Dinge die einem angeboten werden.
1. einheimisches Geld mit Che oder Fidel drauf,
2. Zigarren, die man besonders günstig erstehen kann,
3. Restaurants
und wenn man auf keines dieser Angebote eingegangen ist: 4. Chicas

ad 1) in Kuba gibt es zwei Währungen: einheimische Pesos und Pesos Convertible (CUC). Touristen bekommen üblicherweise nur CUC zu sehen. 25 einheimische Pesos sind 1 CUC. Touristen ist es verboten die einheimische Währung auszuführen.

ad 2) es wird nicht empfohlen Marken-Zigarren auf offener Straße zu kaufen, da es sich mit ziemlicher Sicherheit um Fälschungen handelt.

ad 3) in touristischen Hochgebieten findet eine Keilerei um Touristen statt. Wenn man in einem Lokal landet, sollte es einem „spanisch“ vorkommen, wenn man keine Speisekarte in die Hand bekommt um Preise vergleichen zu können, sondern der Kellner diverse Gerichte aufzählt.

ad 4) Prostitution ist in Kuba verboten, aber wie bei vielem, was verboten ist, werden Gesetze umgangen.
Nachdem wir all diese Angebote, bei einem Spaziergang erhalten und dankend abgelehnt haben, sagte einer dieser Keiler: „Ihr müsst das verstehen. Wir sind hier arm und verdienen nicht viel. Natürlich versuchen wir Geschäfte mit den Touristen zu machen wo immer es geht.“

Ein anderes Mal spricht uns eine Person in perfektem Deutsch an. Ehrlich gesagt, war ich ziemlich überrascht. Er fragt freundlich woher wir kommen, was wir machen, … . Dann erklärt er mir, daß er Medizinstudent ist und die Bücher ziemlich teuer sind. Er benötigt ein Buch, welches 40 CUC kostest (umgerechnet ca. 28 EUR). Er hat schon 30 CUC und es fehlen ihm noch 10 CUC. Erst im Nachhinein habe ich mir gedacht, sein Auftritt und die Geschichte hätten ein paar CUC verdient.

Soweit ich mich informiert habe, scheint Kuba ein sicheres Land zu sein und es dürfte der überwachung wegen nicht allzuviel Kriminalität geben. Natürlich sollte man auch hier die notwendige Sorgfalt walten laßen und nicht großkotzig teuren Schmuck herzeigen. Unternehmen sind grundsätzlich verstaatlicht. Selbständige und private Unternehmen findet man selten. Private Unternehmen müßen einen Großteil der Einnahmen an den Staat abliefern, damit keine Chance für den Kapitalismus entsteht. Personen und Familien, welche im Tourismus tätig sind oder die Verwandte im Ausland haben, geht es meist beßer. Wohnen kostet nicht sehr viel. Jeder bekommt glaube ich eine Unterkunft vom Staat zur Verfügung gestellt. Es gibt monatlich auch Essensmarken. Im Schnitt benötigen die Leute mindestens 30 EUR, um über die Runden zu kommen, bekommen aber nur ca. 15 EUR an Bargeld.
Ein großteil des staatlichen Budgets (lt. Information aus Kuba Literatur etwa 30%) wird in das Gesundheitssystem investiert. Das kubanische Gesundheitssystem wird als das beste in der Karibik und unter den lateinamerikanischen Ländern genannt. Der Zugang zur Bildung ist gratis.

Eigentum ist grundsätzlich erlaubt. Wenn man einen Garten hat, kann man die selbst gepflanzten Produkte auf dem Markt verkaufen. Wohnungen und dergleichen können nicht verkauft, sondern nur weitervererbt und getauscht werden. Die Leute versuchen so viel wie möglich in die eigene Tasche zu arbeiten. Wir sind von Cienfuegos nach Havanna mit dem Taxi gefahren. Das sind ca. 250km und hat ca. 140 EUR gekostet. Der Taxifahrer hat den Kilometerzähler für ca. 200km abgeschalten. Das Taxi hatte ca. 23.000 km auf dem km-Zähler. Ich bin überzeugt, daß das Auto mindestens das fünf-fache auf dem Buckel hatte.

Die Zeichen der Revolution sind überall sichtbar. Che und Fidel sind überall zu sehen. An vielen Häuserwänden stehen Sprüche. Sogar „51 Jahre Revolution“ habe ich mal gesehen. Meiner Meinung nach leere Phrasen. 50 Jahre sind eine lange Zeit, die meisten Personen aus dieser Zeit sind mittlerweile schon alt. Ich denke es wird bald so sein, wie man in unseren Breiten zum 2. Weltkrieg steht. Die Alten sterben langsam weg und die Jungen haben keinen direkten Bezug mehr. Trotzdem findet eine Verankerung der Vergangenheit in den Köpfen der Menschen statt. Uns werden die schrecklichen Taten des 2. Weltkrieges immer wieder vor Augen geführt. In Kuba ist es die „Befreiung“.

Kuba war vor der Revolution ein reiches Land. Nach der Verstaatlichung ist alles den Bach runter gegangen. Ein Großteil der geistigen Elite ist geflohen. Che der ein Medizinstudium abgeschloßen hat, wurde nach der Revolution Industrieminister. Natürlich hatte er keine Ahnung von der Materie. Produktion und Qualität der Güter sind zurück gegangen. Zusätzlich hatte die Kubakrise (USA vs Rußland) und das Embargo der USA viel für die wirtschaftliche Verschlechterung beigetragen. Lange Zeit hat man sich von Rußland abhängig gemacht. Nach dem Zusammenfall des russischen Reiches Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, hatte Kuba eine langjährige Krise mit harten Einschnitten in der Versorgung der Bürger zu kämpfen. In dieser Zeit wurde das Land für den Tourismus geöffnet.

Wir haben einen Auslandsösterreicher getroffen, der uns erzählt hat, daß er, als er nach Kuba kam, 15x mehr verdient hat, als in der Nachkriegszeit in österreich. Solange bis die Revolution kam. Des weiteren hat er uns erzählt, daß das System schon automatisch läuft, wie eine Maschine, die sich selbständig gemacht hat. Fidel Castro und all die anderen sind auch nur mehr Zahnräder in einem System, welches von alleine läuft. Die Einwohner haben sich damit mehr oder weniger abgefunden. Eine Veränderung müßte von oben her kommen.


Octopussy

Der Sonnenuntergang findet zwischen 17:30 und 18:30 Uhr statt. In wenigen Minuten stürzt die Sonne hinter dem Horizont ins Meer.

Wir fahren bereits in die Nacht hinein und sind kurz vor der Insel Cayo Largo. Mit niedriger Motordrehzahl und leisen Motorgeräuschen gleiten wir durch die Dunkelheit. Das Meer ist hier nicht sehr tief, etwa drei Meter, und es breitet sich wie ein großer dunkler Teppich aus. Unter der Wasseroberfläche sind in Abständen von einigen Metern kleine hellgrüne Lichter zu sehen. Manche leuchten permanent, manche blinken auf um einige Zeit später wieder zu erlöschen. Angestrengt sehe ich von der Reling ins Wasser, um zu erkennen, was da so grün leuchtet. Aber es ist unmöglich die Konturen der Lichtquellen auszumachen. Santiago erklärt mir dann, daß es sich um kleine Oktopusse handelt, die da im Dunkeln leuchten.


auf Langusten-Jagd

Santiago macht sich mit einem Netz zu einem kleinen Korallenriff auf. Ich schnorchle eine Weile um das Boot rum, bevor ich ihm folge. Bei ihm angekommen drückt er mir das Netz in die Hand und meint, sobald er eine Languste gefangen hat, solle ich das Netz öffnen, damit er sie hineingeben kann. Er sagt mir ebenso, wie ich Langusten erkennen kann. Ich soll auf Felsvorsprünge achten unter denen Fühler hervorsehen. Immer wieder taucht er ab, um unter Felsen zu sehen. An seiner rechten Hand trägt Santiago einen Handschuh in der linken Hand einen ca. 70cm langen Stecken, zur Hälfte ein Holzgriff zur Hälfte ein dünner Eisenstab der am Ende zu einem Haken gebogen ist. Wenn Santiago eine Languste entdeckt, langt er schnell mit dem Haken unter dem Felsen, um das Tier zu fassen. Manchmal entwischen die Tiere auch. Die Langusten geben ein helles knatterndes Geräusch von sich. Um sich nicht zu verletzten, faßt er diese, sobald er sie gefangen hat, mit der behandschuhten Hand und tötet das Tier indem er mit dem verkehrten Ende des Stabes in die Bauchhöhle der Tiere sticht. Er fängt fünfzehn Tiere bevor mir das Netz zu schwer wird und ich die Beute zum Boot bringe. Am Abend gibt es lecker Langusten.


Ninja-Turtles

Bei einem Aufenthalt an einem kleinen Korallenriff kommt Santiago plötzlich mit einer Schildkröte zurück an Board. Sie hat einen Durchmesser von ungefähr dreißig Zentimetern. Santiago erzählt uns, er hat sie schlafend vorgefunden. Er erklärt uns auch daß sie ca. fünfundzwanzig Minuten unter Wasser bleiben können. Wie man sich vorstellen kann, war die Schildkröte nicht sehr erfreut, so unsanft aus ihrer Ruhe gerissen worden zu sein und auf diese Weise behandelt zu werden. Während wir sie herumreichen, klatscht sie mit ihren Flossen und versucht sich zu befreien. Kurz darauf erlösen wir sie von ihrem Dasein und schmeissen sie in die Pfanne … natürlich nicht! Wir haben sie zurück ins Meer gesetzt. Kaum im Wasser und losgelassen, zischt sie ab wie ein Pfeil.


Ritter der Kokosnuß

Wir haben den Anker vor der Insel Cayo Rosalia ausgeworfen. Es ist gegen Mittag. In einiger Entfernung liegt ein weiteres Schiff aus der Marina in Cienfuegos. Unser Skipper nimmt das Beiboot und stattet ihnen einen Besuch ab.

Unser Boot liegt etwa 300 bis 400m vom Ufer entfernt. Zu dritt schwimmen wir, Hubert, Erwin und ich an Land. Während ich auf eine Anhöhe steige, um einen Überblick über die Insel zu erlangen, wandern Erwin und Hubert den Strand entlang. Aus einiger Entfernung sehe ich wie sie mit einem langen Ast – Bambus oder dergleichen – versuchen Kokosnüsse von einem Baum zu schlagen. Sie kommen mit zwei Stück zum Boot zurück. Mittlerweile ist auch Santiago von seinem Besuch auf dem anderen Boot zurück. Er meint, daß noch mehr Kokosnüsse auf den Bäumen sein sollten. Mit dem Dingi fahren er und Erwin wieder zur Insel und holen weitere vier bis fünf Kokosnüsse.

An Board schlägt Santiago diese auf, der Inhalt wird in eine Schüssel gegossen. Eine Kokosnuß enthält gute 0,3 bis 0,5l Saft. Bis auf eine der Kokosnüsse, sind alle ziemlich jung und enthalten kein Mark. Eine der Nüsse dürfte ein dementsprechendes Alter haben. Sie ist beinahe so groß wie der Kopf einer erwachsenen Person. Das öffnen der Kokosnuß macht ziemliche Mühe, da sie eine sehr dicke Schale hat. Nachdem sich der Inhalt aller Nüsse in die Schüssel ergossen hat wird ein wenig Wasser dazugegeben, Honig zum versüßen und jede Menge Rum … und alles war perfekt.


Schnorcheln

Wir ankern draußen bei einem versunkenen Boot. Das Wasser ist nicht sehr tief, etwa sechs Meter. Das Boot ist mittlerweile zu einem Habitat für viele Fische geworden. Sie schwimmen in unzähligen Größen, Formen und Farben herum. Ich liege auf dem Wasser und lasse mich langsam dahin treiben. Rund um mich die Fische. So nahe, dass man sie beinahe anfassen kann. Vom Boot wirft der Skipper ein paar Essensreste nicht unweit von mir ins Wasser. Sofort stürzen sich unzählige Fische auf das Futter und beginnen daran zu knabbern. Hin und wieder schnappt sich einer der größeren Fische ein Stück und verschwindet damit in der Tiefe.

last updated: 2009.12.29
Genauere Informationen über Geschichte und Kultur schlage man bitte selbst in Büchern oder im Internet nach.