In den letzten Tagen habe ich von schwimmenden Inseln, Cusco und Machu Picchu einiges gesehen. Aber darüber mehr in zwei bis drei Tagen. Hier mal die Geschichte vom falschen 50er.

In Ollantaytambo war ich mit Peter, den ich in Bolivien getroffen habe, in einem Restaurant essen. Hier in Peru ist es immer gut kleine Scheine in der Geldbörse zu haben. Manchmal ist es in den kleinen Läden schon ein Problem wenn man mit 20 Soles Scheinen bezahlt. Es fehlt immer an Wechselgeld. Das Restaurant in dem wir waren ist eher gehobene Mittelklasse, ein Hauptgericht kostet zwischen 7 und 10 EUR. Wie auch immer. Unsere Rechnung macht knapp 140 Soles aus. Ich habe nur mehr 100er und 200er Scheine in meiner Börse. Peter legt einen Haufen 10er und 20er auf den Tisch. Damit ich wieder etwas Kleingeld in meine Börse bekomme, nehme ich Peters Geld an mich und bezahle mit zwei 100 Soles Scheinen. Als Wechselgeld erhalte ich 50 und 10 Soles zurück.

Am nächsten Tag bin ich zeitig auf und marschiere für gut 2 1/2 Stunden in der nahen Umgebung von Ollantaytambo rum. Gegen Mittag habe ich gut 7 bis 8 km hinter mir. Ich gönne mir eine Rast und setze mich auf dem Hauptplatz in ein kleines Restaurant. Dort esse ich eine kräftige Hühnersuppe und trinke ein Bier dazu. Ich möchte mit dem 50 Soles Schein bezahlen und werde sofort freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine Fälschung handelt – offensichtlich, wie ich nun auch sehe. Jedoch so gut, dass es für einen Touristen, der wenig darauf acht gibt, nicht erkennbar ist. Soviel Aufmerksamkeit habe ich den Bankknoten auch nicht geschenkt – bis dahin zumindest nicht.
Mir war sofort klar, wo ich den 50er tags zuvor erhalten habe. Habe ich ihn bewußt erhalten? Oder war es Zufall? Ich weiß nicht, was ich denken soll. Der 50er bleibt vorerst mal in meiner Geldbörse.
Ich schmiede Plan A, nochmal in dieses Restaurant zu gehen, mit dem 50er zu zahlen und ihn ebenda wieder zurückzulassen.

Als ich tags darauf am Nachmittag von Machu Picchu am Bahnhof in Aquas Calientes zurück bin, habe ich noch etwas Zeit. Da ich ganzen Tag nichts gegessen habe, kaufe ich ein Sandwich und ein Getränk und gebe versehentlich den falschen 50er her. Er wird anstandslos genommen. Nun gut, denke ich, das war zwar nicht mein Plan, aber ich bin ihn wieder los. Gut 10 Minuten später werde ich von den Restaurantbediensteten darauf angesprochen. Ich stelle mich natürlich dumm und frage was los ist. Wieder zeigt man mir, dass der Schein falsch ist. Ich möchte einen Aufruhr vermeiden und nehme den Schein zurück.

Also zurück zu Plan A. Moralisch habe ich etwas Zweifel, aber da mittlerweile an zwei verschiedenen Stellen die Fälschung erkannt wurde, nehme ich an, dass mir das Restaurant den falschen 50er bewußt gegeben hat.

Das „Verbrechen“ wird bis ins kleinste vorbereitet. Ich laufe um das Restaurant rum und suche den besten „Fluchtweg“. Ich denke darüber nach, welchen Platz ich im Restaurant einnehmen werde, damit ich schnell raus bin, solange die Kellnerin noch zur Kassa unterwegs ist. Ich überlege dass ich um 60 Soles esse. Wie ich das Geld so auf den Teller platziere, dass Betrag und Rechnung erkannt werden. Dass ich den 50er so mit dem 10er überdecke, dass nur mehr ein Eck frei ist, auf dem die Nummer 50 sichtbar ist und ich noch ein paar einzelne Soles, als Trinkgeld und als Beschwerung, drauflege.

Am Abend kehre ich also zurück in das besagte Lokal und setze mich strategisch hin. Das Essen schmeckt ohne Zweifel gut. Ich nehme ein Steak, ein Bier und danach noch einen Cocktail – in Summe genau 60 Soles. Am großen Nebentisch sitzt – wie an dem Abend mit Peter – wieder eine große Gruppe mit 16 oder mehr Leuten. Und hier kommt mir der Zufall zu Gute. Ich bin kurz davor die Rechnung zu verlangen, als die große Gruppe zu zahlen beginnt – fast jeder einzeln. Jede Menge kleine Teller mit Rechnungen werden ausgeteilt. Die Leute sind am plaudern, es dauert bis alle den Betrag hin legen und die Teller eingesammelt werden. Ich nutze das „Chaos“, frage ebenso nach der Rechnung und platziere die Scheine wie vorgesehen auf den Teller. Meine Rechnung vermischt sich mit den anderen. Ich bin schnell aus der Tür raus und verschwinde um die nächsten zwei Ecken in den engen dunklen Gassen. Das „Verbrechen“ ist geglückt.

Ich bin mir sicher, dass sehr bald ein anderer Tourist mit dem Schein zu kämpfen hat.

Danke fürs Lesen, Jürgen.