5 1/2 Monate sind seit der Rückkehr von meiner großen Reise vergangen. 5 1/2 Monate in denen sich viel getan hat.

Wieder zu Hause mußte ich bemerken, dass sich im großen und ganzen nicht viel verändert hat. Doch .. da waren schon ein paar Dinge. Freunde sind schwanger geworden, haben Kinder bekommen, haben sich getrennt oder neue Partner gefunden. Aber das Große Gefüge ist gleich geblieben.
Als ich gleich nach meiner Rückkehr meine Ex-Kollegen in der Firma besucht habe, ist es mir vorgekommen, als wäre ich nur eine Woche weggewesen. Ein paar Mitarbeiter sind gegangen, neue sind gekommen. Aber dieses kulturelle Gefüge hat sich nicht verändert. Ich war sofort wieder assimiliert.

Nun bin ich seit 1 1/2 Monaten wieder zurück .. an meinem alten Arbeitsplatz .. gleiche Firma, gleiche Position, gleicher Schreibtisch, gleiche Arbeit .. mehr Geld ;-)
Wieder in der alten Umgebung machen sich auch all die anderen Dinge bemerkbar, die sich nicht verändert haben. Da läuft die etwas skurrile Frau mit ihrem schwarzen zerzausten Terrier durch die Gegend, mit dem sie dauernd spricht. Die zwei alten Herren, die sich fast jeden Tag in der Früh einen Kaffee aus dem Automaten vom Supermarkt geholt haben. Den Supermarkt gibt es nicht mehr. Der wurde schon vor einiger Zeit woanders neu gebaut. Jetzt müssen sie ein Stück weiter gehen. Und all die anderen Kleinigkeiten.
So ganz der Gegensatz diese Beständigkeit, im Vergleich zu mir, der ständig in Bewegung war.

So habe ich mich wieder eingefügt in ein „normales“ Leben, oder in das, was von der Masse als Normal verstanden wird. Ich bezeichne es mehr als „Wahnsinn“.

IMG_20140615_120006Es hat gut 8 Wochen gedauert, bis meine Verletzungen verheilt waren. Leichte Schäden sind geblieben und werden wohl auch bleiben. Meine linke Schulter ist um etwa 3-4 cm kürzer, weil sich die Knochen des Schlüsselbeins überlagern. Schönheitswettbewerb werde ich wohl keinen mehr gewinnen. ;-) Auch bei meinem rechten Daumen, werde ich wohl nicht mehr die volle Kraft erreichen. Aber ich muß ja auch nur in die Computer Tastatur hauen und solange ich am Gasgriff drehen kann, ist das kein Problem.

Nachdem meine Schulter verheilt war, habe ich einen Scooter gekauft, damit ich wieder mobil bin. Als meine Freunde gehört haben, dass ich schon wieder ein motorisiertes 2-Rad habe, waren sie der Meinung, dass meine Lernkurve ziemlich flach ist.

DSCF3257Ich war in Berlin. Zweimal. Das erste Mal für ein paar Tage, um meine Freunde Esra und Paul zu besuchen und Jamie, ihre Freundin kennenzulernen, die für ein Jahr in Berlin gelebt hat.

Das zweite Mal, als ich mit meinem Scooter nach Holland gefahren bin, um Renate und Bart zu besuchen. Ich war für 12 Tage unterwegs. Habe, mit mehreren Zwischenstopps in Regensburg, Hannover, Frankfurt, zuerst Kerstin in Berlin besucht und bin dann weiter zu Renate und Bart, mit denen ich ein paar Tage verbracht habe.

In Berlin habe ich all meine Schlüssel in meinen Heckkoffer gesperrt, der vom Schlüsseldienst geöffnet werden musste. Auf der Weiterfahrt habe ich 100 EUR für ein, aus meiner Sicht, Bagatellvergehen gezahlt, weil mir ein Spezialfall der Straßenverkehrsordnung nicht bekannt war. In einem der Hotels habe ich Chuck Norris getroffen. Da war doch tatsächlich ein junger Kanadier, der Chuck Norris wie aus dem Gesicht geschnitten war. Mann, hast du mal mit deiner Mutter gesprochen?
Eines der Hostels war nahe dem Bahnhof und die Gegend nicht sehr vertrauenserweckend. Vom Zimmer im zweiten Stock aus konnte man beobachten, wie die Prostituierten irgendwelche Drogen einwarfen. „Chuck Norris“ kam damit nicht ganz zurecht.
Es war ein neues Erlebnis mit einem Scooter etwa 3.500 km auf Reise zu gehen. So kann ich auch das von meiner Liste streichen.

Für die nächsten Jahre, werde ich wohl keine langen Fernreisen machen. Ich habe ein Grundstück gekauft, mit einem sehr alten Haus darauf, dass ich bald wegreißen möchte. Ich habe 4 1/2 Jahre in Eisenstadt gewohnt. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, dass ich mich in dieser Gegend sehr wohl fühle.
Zurück von meiner Reise habe ich dann überlegt, wie es in meinem Leben weitergeht. Eine Weile habe ich überlegt einen Job in Wien zu suchen und wieder dorthin zu ziehen. Aber mir war schnell klar, dass ich das nicht will. Und dann war da dieses Angebot, ein Grundstück in Großhöflein (gleich neben Eisenstadt), ein Stück weiter oben, am Hang des Leithagebirges .. ich habe zugegriffen. Es gibt viel zu tun .. sehr viel.

Hin und wieder schreibe ich eine Mail oder eine Nachricht an den einen oder anderen, die ich auf der Reise getroffen habe. Ich muss zugeben, viel zu wenig. Unterwegs habe ich sehr viel mehr kommuniziert. An einige Personen habe ich seit langem nicht mehr geschrieben. Viel zu sehr hat mich das Leben hier wieder in Anspruch genommen .. die Arbeit, mein Grundstück, meine Pläne einen festen Wohnsitz zu schaffen. An vielen Tagen bin ich vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen beschäftigt, um alles auf die Reihe zu kriegen. Aber auch das wird sich wieder legen.

Ich verfolge die Reisen der anderen. Einige der Personen, die ich getroffen habe sind noch immer unterwegs, oder schon wieder Faizal, Mike, Eli , … ich beneide sie.

Mein Motorrad ist auch wieder nach Hause angekommen. Wenn ich daran denke, mit welchem Aufwand und mit welchen Kosten das ganze verbunden war, wäre es besser gewesen, ich hätte es in Peru gelassen.

IMG_20140831_162312Der Re-Import meines Motorrades war weit mühsamer, als manches was ich unterwegs an Grenzübertritten erlebt habe. Ich wollte doch nur mein eigenes Motorrad zurück haben!
Transportdokumente, Reisepass, Fahrzeugpapiere, Führerschein und der Verweis auf meinen Blog, wo ja jede Menge Fotos zu finden sind, haben nicht gereicht, um zu beweisen, dass es sich um mein Motorrad handelt.
Das wäre doch viel zu einfach. Es war ein zähes hin und her, mit nicht enden wollenden e-mails. Ich musste mir selbst eine Proforma-Rechnung mit dem Fahrzeugwert ausstellen – GERING, das Motorrad ist ja kaputt – und am Ende hat der Zoll verlangt, dass ich alle verfügbaren Dokumente über die Reise sende. Ich dachte bloß nur mehr: Verarschen die mich jetzt oder was ist los?
Ich habe knapp 40 Seiten an Grenzübertritt Dokumenten, Rechnungen von Services usw eingescannt. Die Logik hat sich mir nicht ganz erschlossen.
Vielleicht waren die beim Zoll einfach nur zu faul, um sich vom Schreibtisch zu erheben und einen Blick in die Transportkiste zu werfen.

Angekommen ist ein Haufen Eisen, tot und blutleer. Vor dem Transport mussten alle Flüssigkeiten abgelassen werden, so wurde es jeden Lebens beraubt. Und es war verdreckt. Staub, von den Schotterpisten Patagoniens, der in jede noch so kleine Ritze gekrochen ist. Manchmal hart wie Beton und kaum wegzukriegen. Ich habe begonnen das Motorrad zu reinigen, schraube alles ab was geht und schrubbe manchmal mit einer Zahnbürste.
Viele Stunden habe ich bereits damit verbracht. Die Emotionen sind zurück gekommen. Der Haufen Eisen beginnt sich wieder zu verändern. Es ist wieder Mein Motorrad und es wird wieder fahren .. bereit sein für neue Abenteuer.

Jürgen.

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