Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Transportarten Luft, See, Container, RoRo, LoLo, Kosten, Zeit, … finden sich genug Diskussionen im Internet und ich will hier auch keine neue Diskussionen lostreten. Da es sich bei mir um den ersten Transport des Motorrads handelt, kann ich nicht auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Ich habe mir viele Erfahrungsberichte und Diskussionen anderer durchgelesen. Bei motorradkarawane.de findet sich eine ausführliche Betrachtung der unterschiedlichen Arten.

Es gibt sehr viele Einflussfaktoren:

  • Wie weit ist die Entfernung zum Abfahrts-/Abflugort?
  • Wie viel kostet der Transport zum Abfahrts(flug)hafen?
  • Wie viel kostet eine Kiste?
  • Kann ich die Kiste im Ankunftshafen für eine eventuelle Rückreise zwischenlagern?
  • Reise ich überhaupt vom gleichen Hafen wieder zurück? Wenn nicht, was kostet es die Kiste zu entsorgen?
  • Brauche ich dann für die Rückreise wieder eine Kiste (d.h. neuerlich Kosten)?
  • Welche Tätigkeiten kann ich selbst durchführen?
  • Welche Kosten entstehen für mich und wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, um zu dem Hafen zu gelangen, wo das Fahrzeug hin verschifft wird (Flug, Zug, Bus, Taxi)?
  • Welche Gebühren entstehen im Ankunftshafen (Zoll, Flughafen oder Hafengebühren, Lagergebühren, …)?
  • Wie viel Zeit habe ich?
  • und und und

Wohnt man in der Nähe eines (Fracht)Flughafens, ist ein Transport per Flugzeug vielleicht günstiger, als das Motorrad hunderte Kilometer zu einem Hafen transportieren zu lassen und zu verschiffen.

Diverse Anbieter finden sich in einem Unterordner meiner Linksammlung.

Wie bereits erwähnt, hatte ich überhaupt keine Ahnung und Erfahrungen mit dem Transport. Ich habe mich im Internet nach Unternehmen umgesehen, die sich auf Motorradtransporte spezialisiert haben. Natürlich habe ich lang und breit überlegt auf welche Art und wohin ich das Motorrad transportieren lasse, habe Kosten abgewägt, … . Es ist unheimlich schwer Informationen über den Ablauf der Verschiffung zu finden. Viele Personen haben ihr Motorrad verschiffen oder fliegen lassen, aber die Informationen über den Ablauf und die Erfahrungen, zB. welche Unternehmen wurden in Anspruch genommen, Kontaktdaten, usw., sind aber oft nur schwer zu finden (vielleicht habe ich auch nur nicht die richtigen Blogs gefunden).
Man kann jetzt einfach sagen, ab in die Kiste und zum Spediteur. Aber woher eine Kiste nehmen? Selbst eine zimmern? Den Aufwand auf sich nehmen und die Motorradhändler abklappern, um eine passende Kiste zu finden? Für mich keine gute Option, dafür bräuchte ich dann wieder einen Bus, um die Kiste vom Händler zu mir zu transportieren. Wie mehrmals hier im Blog erwähnt bin ich ein Computermensch. Das Zerlegen des Motorrads, damit es platzsparend in eine Kiste passt wollte ich deshalb vermeiden. Der Ort meiner Rückreise ist unbekannt. D.h. ich wende eventuell Kosten für eine Kiste nur für One-Way auf.
Des Weiteren wohne ich im Burgenland in Österreich, also sehr weit weg von einem Hafen oder auch großen Frachtflughafen. D.h. der Transport dorthin hätte auch organisiert werden müssen. Dies sind nur einige der Faktoren die bei mir zu tragen gekommen sind. Aufgrund der nicht vorhandenen Erfahrung konnte ich nicht abschätzen, welcher Aufwand eine weitgehende Selbstorganisation bedeutet.
Bei den Recherchen bin ich, neben vielen anderen, auch auf das Unternehmen in In Time Forwading & Courier e.K. gestoßen. Hier hat es auch von anderen Reisenden positives Feedback gegeben. Das Unternehmen bietet die Organisation von Transporten in die ganze Welt an. Im Vergleich zu anderen Unternehmen sind auf der Homepage von „In Time“ Informationen zum Ablauf, auch mögliche Gefahren bei Ländern und ungefähre Kosten angegeben. Womit man als unerfahrene Person schon mal einen Überblick erhält. Unter anderem wird auch der RoRO Transport nach Halifax, Canada angeboten. Über Halifax habe ich auf verschiedenen Seiten gelesen, dass der Import bzw. das Auslösen des Fahrzeugs relativ problemlos sein soll.
Mit Sicherheit gibt es günstigere Wege für einen Transport. Mir war es wichtig, dass ich die Abwicklung in guten Händen wußte. Deshalb habe ich mich für RoRo von Bremerhaven nach Halifax über „In Time“. entschieden. Ich bin ich mit dieser Entscheidung sehr zufrieden. In der Regel erhält man nach wenigen Stunden eine Antwort. Selbst als ich nach einem Unfall meine Reise kurzfristig um zwei Monate verschieben mußte war dies kein Problem. Herr Kleinknecht war hier sehr geduldig mit mir, meine vielen Fragen und Mails zu beantworten.

 

Europa – Kanada

* Wien – Hamburg mit dem Autoreisezug

Mit dem Autoreisezug ist es von Wien Westbahnhof nach Hamburg Altona gegangen. Der Transport war einfach und problemlos. Das Motorrad wird ordentlich auf der unteren Ebene des Waggons festgezurrt. Das Ticket für das Motorrad hat 50,50 EUR gekostet. Das günstigste Ticket für die Zugfahrt in einem 6er Abteil hat 69,- EUR  gekostet. Ich bin am Mittwoch Abend 19.06., noch vor Schulferien und somit vor der Hauptreisezeit, gefahren. Es waren nicht sehr viele Passagiere im Zug und ich hatte lange Zeit das Abteil nur für mich. Erst spät nachts ist eine zweite Person reingekommen.

* Hamburg – Bremerhaven

ca. 120km durch die idyllische Landschaft.

Das Motorrad mußte im Eurogate, Senator-Bortscheller-Straße 1, Bremerhaven, abgeliefert werden. Auch hier verlief alles problemlos und schnell. Am Empfang hat man mich in ein nahes Gebäude gesendet. Dort habe ich den Anlieferschein, welcher mir von In Time zugesendet wurde, vorgezeigt.
Ich habe eine Chipkarte, einen grünen Abgabeschein und die Information, wo ich im Hafengelände auf  Personal warten soll, erhalten. Mit der Chipkarte kommt man durch das Security Tor in das Hafengelände. Nach ein paar Minuten wurde ich von einem Hafenmitarbeiter vom Parkplatz abgeholt. Ihm bin ich in eine Halle gefolgt, wo das Motorrad abgestellt wurde. Die Schlüssel bleiben stecken, die Koffer wurden geleert und sollten unversperrt sein. Zumindest sollten die Schlüssel für die Koffer am Motorrad verbleiben, da in der Regel auch noch der Zoll ein Auge auf das Motorrad wirft. Für die Versicherung gab es einen Check auf bereits vorhandene Schäden. Danach wurde ich wieder zum Eingang gefahren. Der ganze Ablauf hat ca. 30 Minuten gedauert.
Mit dem Taxi, welches vom Empfang gerufen wurde, bin ich zum Bahnhof gefahren (18,- EUR). Die Zugfahrt nach Hamburg hat 29,- EUR gekostet. Die Kosten für die Rückfahrt nach Österreich in einem Liegewagen waren 118,- EUR.

Nettosumme Transportkosten nach Bremerhaven 284,5 EUR.
Ich hatte vorher bei zwei Unternehmen nach ungefähren Kosten für eine Abholung bei mir nachgefragt. Hier wurden mir ungefähre Preise ab 400,- EUR genannt.

 

* RoRo Bremerhaven – Halifax

Die geplante Abfahrt des Schiffes war der 25.06.2013. Name und ID des Schiffes, mit dem das Fahrzeug transportiert wird, kann den Transportpapieren entnommen werden. Damit findet man sehr genaue Informationen und Fotos über das Schiff. Die ungefähre Position lässt sich z.B. auf dieser Seite verfolgen: marinetraffic.com.

 

* Halifax

Ich beschreibe gleich den „optimierten“ Ablauf. Ich war erst im Büro von Wallenius Willhemsen. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht Bar bezahlen kann, sondern in einer anderen Form. Somit mußt ich zuerst zum Postamt. Deshalb empfiehlt sich Schritt 1 zuerst auszuführen.

Schritt 1: Auf der Bill of Lading durchlesen, wie die Gebühren Vor-Ort bezahlt werden können. Auf meiner Bill of Lading stand unter anderem Money Order. Meines Erachtens die einfachste Form.
Hierzu geht man auf das nächste Postamt. Dort wird gegen Zahlung des Betrages in Bar und einer Servicegebühr, von bei mir, 7 CAD, ein „Scheck“ ausgestellt. Mit diesem Papier geht es zu Wallenius Willhemlsen, 1959, Upper Water Street, Suite 1700 (= 17. Stock). Die Bill of Lading wird abgestempelt.

Schritt 2: Zum Zollbüro in 1583, Hollis Street, gehen. Etwa 700m vom Büro von Wallenius Wilhelmsen entfernt. Dort benötigt man die Bill of Lading, Reisepass und Zulassungsbescheinigung, sprich, dass man der Besitzer des Fahrzeuges ist. Das ganze wird kopiert, es erfolgen ein paar Fragen über den Import und die Sache war erledigt.

Schritt 3: „Autoport“, 1180 Main Road, auf dem Landweg ca. 13km.
Eine der beiden Fähren, nach Dartmouth oder Woodside nehmen. Die Woodside Fähre fährt zwischen ca. 9:30 und 15:00 nicht. Kommt aber auf das selbe raus. Man muss den Bus Nummer 60 nehmen. Bei der Fähre nach Woodside ist die Busstation gleich vor der Straße. Bei der Fähre nach Dartmouth muss man ein paar Meter zur Portland Street laufen. Die Bushaltestation ist gegenüber der weißen St. James United Church. Einfach googlen.

Schritt 4: Bei der Station Autoport aussteigen. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man dann gleich das blaue Gebäude mit der Aufschrift „Autoport“. Dort befindet sich das Büro. An der Rezeption die Papiere abgeben. Im idealfall wird das Fahrzeug innerhalb weniger Minuten vor die Tür gebracht. Check, ob alles OK ist und man kann losfahren.

Resüme: Ich habe meine Unterkunft um 8:00 verlassen, um 12:00 Uhr hatte ich das Motorrad in den Händen. Dabei bin ich aber noch eine Stunde für die Money Order durch die Gegen gelaufen. Das ganze läßt sich einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen. Es ist nicht notwendig Geld für Taxi aus dem Fenster zu schmeißen.

Ich hatte Null Ahnung mit der Verschiffung. Über InTime Hamburg hat das super funktioniert. Das Unternehmen ist auf jeden Fall zu empfehlen.
Intime ist „nur“ der Agent, der den Transport organisiert. Der Transport selbst wurde mit Wallenius Wilhelmsen durchgeführt. Ich habe zum Teil negative Meldungen über den Transport mit RoRo gelesen (um korrekt zu sein, ich weiß nicht bei welchem Unternehmen). Dass bei der Ankunft z.B. Teile am Motorrad gefehlt haben, oder das Motorrad kleinere Beschädigungen hatte. Dies war bei mir nicht der Fall. Das Motorrad habe ich im gleichen Zustand entgegengenommen, wie ich es abgeliefert habe. Etwas schmutzig, aber das wahren Spuren von Schlechtwetter, wenn das Motorrad ungeschützt draußen steht.
Auch der Ablauf für die Auslösung in Halifax hat bei mir überhaupt keine Problem ergeben.
Ich habe nun einen Einblick über den ganzen Verschiffungs Prozess erhalten. Beim Rücktransport werde ich vielleicht versuchen etwas mehr selbst in die Hand zu nehmen, um Geld zu sparen.

Panama – Kolumbien

* Panama, Motorrad abliefern

Ich verweise hier auf den Blog von Mathias http://panamericana2012.wordpress.com/darien-gap-von-panama-nach-kolumbien/

Ich habe ein paar Tage vor derm Transport eine mail (in spanisch, übersetzt mit google translate) an Girag geschrieben. info.pty@girag.com

Die Antwort war kurz und prägnant.

Am 27.09. muß ich das Motorrad im Cargobereich abliefern.

Am 28.09. oder 29.09 wird das Motorrad geflogen.

Am Montag den 30.09. gegen 13 Uhr kann ich das Motorrad in Bogota abholen.

Kosten 902 USD (800 for Girag, 102 taxes and other fees).

Hier sind die ungefähren Koordinaten von Girag am Frachtflughafen. N09 05.173 W079 22.374. Das Büro ist leicht zu finden. Es gibt Schilder, die die Richtung zum Büro anzeigen. Man fährt direkt zum Cargo Terminal, wo sich auch das Büro befindet.

Das Abliefern hat ca. 2 Stunden gedauert, wobei die meiste Zeit mit warten auf den Papierkram draufgegangen ist.

* Bogota, Motorrad abholen

Bringt all die Dokumente von Panama und den Reisepass mit und vor allem eines, SEHR VIEL GEDULD.

Das Cargo Terminal am Flughafen besteht aus mehreren Bereichen.

Das Girag Terminal befindet sich bei „Terminal Carga Aéreara„. Aber wenn man mit dem Taxi den Flughafen verlässt und auf der Calle 26 Richtung Innenstadt fährt und den Blick Richtung rechts hält übersieht man es nicht. Das Girag Logo ist groß auf der Gebäudewand.

Zuerst zur Rezeption. Dort erhält man, gegen Vorlage einer ID, einen Besucher Zettel mit diesem Zettel darf man in das Cargo Terminal.

Dort zum Girag Bereich gehen, in den letzten Stock in das Office 510. Der Beamte füllt ein paar Zetteln aus.

Mit diesen Zettel wieder gegenüber in das Gebäude, dort wo die Rezeption ist, in den 3. Stock zu DIAN (der Zollbehörde). Dort werden wieder ein paar Zetteln ausgefüllt und abgestempelt.

Wieder zurück in den Cargo Bereich. Diesmal gleich im Erdgeschoss die Glocke an der Tür läuten. Man gelangt direkt in den Cargobereich. Dort in das Office, wieder ein paar Zetteln ausfüllen und abstempeln lassen.

Danach erhält man das Motorrad. Keine weitere Polizeikontrolle notwendig. Man muß bloß noch den Besucherzettel an der Rezeption abgeben.

Hört sich alles ziemlich einfach an, aber dauert unheimlich lange. Manchmal, da hätte ich einfach nur schreien können.

Ankunft bei der Rezeption: 13:45, Abfahrt mit dem Motorrad: 17:30